14.09.2026
Starke Antriebe und Lösungen für softwaregetriebene Trucks als Schlüsseltechnologien
- Bosch-Geschäftsführer Markus Heyn: „Das Geschäft mit schweren Nutzfahrzeugen ist für uns ein zentrales Wachstumsfeld: Bis Mitte der 2030er Jahre wollen wir unseren Umsatz in diesem Segment verdoppeln.“
- 2026 wird in Europa jeder dritte neu zugelassene E-Truck von einem E-Motor und Inverter von Bosch angetrieben.
- Neuer Serienauftrag von globalem Nutzfahrzeughersteller für E-Antrieb sichert langfristige Zusammenarbeit.
- Bosch ebnet mit intelligenter Sensorik und Software den Weg zum automatisierten Fahren und senkt die Gesamtbetriebskosten für Flottenbetreiber.
Stuttgart / Hannover – Die Nutzfahrzeugbranche erlebt Chancen, aber auch Herausforderungen wie selten. Steigende Transportbedarfe durch das Wachstum des globalen Warenhandels, anspruchsvolle gesetzliche Vorgaben sowie wachsender Fahrermangel setzen die Branche unter Druck und treiben die Gesamtbetriebskosten nach oben. Die Antwort von Bosch lautet: mehr Technologie, die neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnet. „Das Geschäft mit schweren Nutzfahrzeugen ist für uns ein zentrales Wachstumsfeld: Bis Mitte der 2030er Jahre wollen wir unseren Umsatz in diesem Segment verdoppeln“, sagte Dr. Markus Heyn, stellvertretender Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility, anlässlich der IAA Transportation 2026 in Hannover. Auch der robuste Nutzfahrzeugmarkt stützt das Geschäft von Bosch. Während für die weltweite Fahrzeugproduktion 2026 insgesamt ein rückläufiger Trend erwartet wird, zeigt sich das Segment der schweren Nutzfahrzeuge über sechs Tonnen widerstandsfähiger: Nach einem dynamischen ersten Halbjahr erwartet Bosch einen leichten Zuwachs der weltweiten Lkw-Fertigung um rund 1 Prozent auf rund 3,3 Millionen Trucks, bis Mitte der 2030er Jahre soll das globale Produktionsvolumen auf rund 4 Millionen Einheiten ansteigen. Auf Basis dieser Prognose und der Akzeptanz entsprechender Technologien sieht Bosch das Potenzial, bis 2035 seinen Umsatz mit Technik für schwere Nutzfahrzeuge von derzeit mehr als 4 Milliarden Euro zu verdoppeln. Zugleich kann auch der Unternehmensbereich Bosch Mobility, ein solides letztes Jahresquartal vorausgesetzt, trotz aktueller Herausforderungen und eines anspruchsvollen Marktumfelds 2026 sein Umsatzniveau halten.
Das Portfolio reicht dabei von Hardware und Software über Künstliche Intelligenz bis hin zu cloudbasierten Diensten, die den Betrieb von Nutzfahrzeugen wirtschaftlicher und sicherer machen. Bosch stärkt sein Wachstum zudem durch das Erschließen neuer Geschäftsfelder. So plant das Unternehmen, gemeinsam mit den Tochtergesellschaften Brakes India und Wheels India der TSF Group, ein neues Joint Venture für smarte Aktuatoren für die Drucklufterzeugung und -aufbereitung sowie für die Luftfederung und Parkbremsen zu gründen.
Antriebe und Technik für alle MärkteWichtiges Element für die Wachstumsstrategie von Bosch bleibt die breite Aufstellung bei alternativen Antriebstechnologien. In der batterieelektrischen Mobilität festigt das Unternehmen seine Marktposition: In Europa wird 2026 jeder dritte neu zugelassene batterieelektrische Lkw von E-Motoren und Invertern von Bosch angetrieben. Ein neuer Serienauftrag des langjährigen Partners Daimler Truck für den Elektro-Lkw eActros untermauert diesen Erfolg: Die Vereinbarung umfasst die Belieferung mit in Europa gefertigten elektrischen Antriebskomponenten.
Ähnlich wie im Pkw-Segment verläuft die Transformation auch im Nutzfahrzeugmarkt regional unterschiedlich schnell: Die Elektromobilität nimmt zügig an Fahrt auf und ist insbesondere in China auf dem Vormarsch. Bosch geht davon aus, dass bis 2030 bereits rund jeder vierte und bis 2035 rund die Hälfte aller weltweit neu zugelassenen schweren Lkw über sechs Tonnen klimafreundlich – mit Batterie oder Brennstoffzelle – unterwegs sein wird. Im nordamerikanischen Markt hingegen dominiert weiterhin der klassische, teils hybridisierte Dieselmotor. „Um die globalen Klimaziele im Transportsektor zu erreichen, gibt es kein Entweder-oder: Wir müssen jede Technologie nutzen, die zur Defossilisierung beiträgt“, so Heyn. „Die Batterie entwickelt sich auch im Nutzfahrzeug zur Leittechnologie, bleibt aber im schweren Fernverkehr und auf globalen Märkten auf die Ergänzung durch Wasserstoff und alternative Kraftstoffe angewiesen.“ Deshalb setzt Bosch konsequent auf technologische Vielfalt und liefert neben Brennstoffzellen-Antriebssystemen auch Schlüsselkomponenten für den Wasserstoff-Verbrennungsmotor. Zugleich will das Unternehmen seine führende Position beim Dieselantrieb konsequent weiter ausbauen und optimiert klassische Einspritzsysteme weiter, um Fahrzeughersteller bei der Erfüllung neuer Emissionsvorgaben wie Euro 7 zu unterstützen. Für die weltweite Bestandsflotte können zudem regenerative Kraftstoffe einen schnellen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten.
Smarte Sensorik für neue SicherheitsvorgabenNicht nur in der Antriebstechnik durchläuft die Nutzfahrzeugwelt eine Transformation: Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr hat die EU in den vergangenen Jahren immer mehr Assistenzfunktionen verpflichtend gemacht, zuletzt gab es im Juli 2026 neue Vorgaben. Der Notbremsassistent muss nun auch Fußgänger und Radfahrer zuverlässig erkennen, die Fahrerüberwachung neben Müdigkeit auch Ablenkung detektieren. Die nötige Sensorik und Funktionen liefert Bosch. So bringt Bosch 2027 neue Generationen der Multifunktionskamera und des Radarsensors auf den Markt, die beide mit neuesten KI-Verfahren und deutlich höherer Rechenleistung eine präzise Erkennung von Personen und Fahrzeugen ermöglichen. Ein digitaler Rückspiegel mit integrierter Kamera, die das Fahrerverhalten auswertet und bei Ablenkungen warnt, ging bereits 2026 bei zwei namhaften europäischen Herstellern in Serie. Auch außerhalb Europas verschärfen wichtige Märkte wie Indien oder China ihre Sicherheitsstandards. So sorgen etwa in Indien neue regulatorische Vorgaben für eine steigende Nachfrage nach modernen Fahrerassistenzsystemen wie den Notbremsassistenten oder das Totwinkel-Warnsystem. Bosch arbeitet dort bereits mit führenden Nutzfahrzeugherstellern an der Implementierung entsprechender ADAS-Lösungen, um die Einführung der neuen Sicherheitsstandards zu unterstützen.
Mit seinem umfassenden System- und Sensorportfolio hilft das Unternehmen dabei, ein lückenloses Bild rund um den Truck zu erstellen und Fahrsicherheit und -komfort zu erhöhen. Dank intelligenter Software-Algorithmen werden die Daten der verschiedenen Sensoren im Fahrzeug fusioniert und in Echtzeit ausgewertet. Die Kameras und Radarsysteme eignen sich auch für höhere Automatisierungsstufen: „Automatisiertes Fahren nach Level 4 ist das Ziel, um etwa dem Fahrermangel in der Logistik zu begegnen“, so Heyn zur Roadmap. „Die Software steuert dabei zunehmend komplexe Fahraufgaben und entlastet das Logistiksystem.“
Auf dem Weg zum softwaregetriebenen NutzfahrzeugModerne Nutzfahrzeuge sammeln und verarbeiten immer größere Datenmengen. Die immer umfassenderen Antriebs-, Assistenz- und Automatisierungsfunktionen steigern die Komplexität der elektrischen und elektronischen Systeme erheblich. Zudem erzeugt der Wettbewerbsdruck der Branche einen starken Anreiz zur Systemintegration, da die Zusammenführung von Komponenten in Gesamtsystemen die Komplexität und damit die Kosten reduziert. So werden im Truck bislang verteilte Fahrzeugfunktionen auf zentralen Rechenplattformen beispielsweise für die Domänen Cockpit oder Vehicle zusammengefasst. Des Weiteren werden Software und Hardware konsequent entkoppelt. Dies ist Voraussetzung, um neue Funktionen über das ganze Fahrzeugportfolio und die gesamte Lebensdauer hinweg per Over-the-Air-Update auszurollen. Bosch und seine Tochtergesellschaft ETAS entwickeln die hierfür erforderlichen zentralen E/E-Architekturen mit leistungsstarken, skalierbaren Fahrzeugrechnern sowie die zugehörigen Softwareplattformen. „Das softwaredefinierte Fahrzeug wird Schritt für Schritt auch im Truck Realität“, sagt Markus Heyn. Dabei profitieren Kunden von der Systemkompetenz des Unternehmens, das sowohl in der Hardware als auch in der Software zuhause ist. Die softwaredefinierte Mobilität setzt im Lkw an der wichtigsten Stellschraube der Branche an – den Gesamtbetriebskosten. Für Flottenbetreiber reduziert der softwaredefinierte Truck die Komplexität im Alltag spürbar.